Blasorchester Wesel-Bislich e.V.

Ein Rückblick auf 40 Jahre Vereinsgeschichte

1. Die "Flötentöne" lernen

Begonnen hat alles am 14. Februar 1971 im Wohnzimmer des Organisten und Chorleiters Theo Lenneps. Dort trafen sich sieben Männer um ein Vorhaben anzugehen, das unser Dorf um einen weiteren Verein bereichern sollte.

Theo Lenneps, Emil Paluch, Josef Bruns, Franz Hollmann, Willi Nakath, Bernd Josef Lenferding und Theo Giesen hatten sich zusammengefunden um unser Dorfleben mit Blasmusik zu verschönern. Jeder der Beteiligten wusste, dass das nicht von heute auf morgen ging und mit einigen Schwierigkeiten verbunden war. Trotzdem machten sich alle daran ihre Idee in die Praxis umzusetzen.

Der Grundstein war gelegt.

Keiner der Gründer hatte eine nennenswerte musikalische Vorbildung und erst recht keine Ahnung, welche Instrumente notwendig sind. Herr Lenneps teilte kurzerhand jedem sein Instrument zu. Er war es auch, der sich um die Beschaffung der Musikinstrumente kümmerte. Bis jedoch Musik gemacht werden konnte, wurden die Probenabende mit rhythmischem Klatschen und viel Theorie ausgefüllt. Als endlich die Instrumente eintrafen, wurde mit einfachen Blasübungen aus einem Schulungsheft begonnen.

2. Der Sprung ins kalte Wasser

Es sprach sich im Dorf herum, dass es musikalisch etwas Neues gab. Nach kurzer Zeit kamen zwei weitere Mitglieder hinzu, es waren Klaus Giesen und Bernhard Michelbrink. Ein eifriger Probenbesuch ermöglichte bereits nach gut 10 Monaten den ersten Auftritt.

Am 21. November 1971 trat das Blasorchester zum ersten Mal an die Öffentlichkeit um die Gedenkfeier zum Totensonntag mitzugestalten. Ein Zeitungsbericht über diese Veranstaltung führte zu einem erfreulichen Mitgliederzuwachs. Vier weitere Musikfreunde kamen dazu, sodass mit nun 13 Musikern geprobt werden konnte.

Nun ergab sich das Problem, dass die neuen Mitglieder auf den gleichen Kenntnisstand gebracht werden mussten, wie die anderen. Um dies zu erreichen wurden Freitagabends zusätzliche Proben für die Neuen angesetzt, die aber nach Erreichen eines einheitlichen Ausbildungsstandes nach wenigen Monaten entfallen konnten.

Der Verein wuchs weiter. Am Ostersonntag, dem 21. April 1972 konnte das Orchester mit nunmehr 16 Mitgliedern erstmals den Gottesdienst um 10.00 Uhr mitgestalten. Dieser Auftritt kam auf Anregung von Pastor Dingermann zustande.

3. Jugendarbeit - ein wesentliches Standbein unseres Vereins

Bereits zwei Jahre nach der Gründung wurden sich Gedanken um die Zukunft gemacht. Jeder wusste – ohne Jugend- und Nachwuchsarbeit kann ein Verein nicht überleben. Es wurde in der Zeitung und durch viel Mundpropaganda bekannt gemacht, dass das Blasorchester ein Jugendorchester gründen möchte.

Am 2. Januar 1973 trafen sich 26 Kinder und Jugendliche um ein Blasinstrument zu erlernen. Damals verlief der Ausbildungsgang in anderer Art und Weise als heute. Der Unterricht erfolgte im Klassenverband einmal die Woche. Die erste Stunde war trockene Theorie. Noten, Tonarten, Rhythmik, Ak-korde, Tempi – für die jungen Nachwuchsmusikerinnen und – musiker jede Menge „Stoff“, der gelernt werden wollte. Aber nach der ganzen Theorie wurde auch von Anfang an in der Gruppe gespielt. Erst separat in einzelnen Instrumentengruppen und nach einigen Wochen zusätzlich auch schon in der großen Gruppe mit allen gemeinsam. Die Erwachsenen aus dem Blasorchester kamen häufig dazu und übten gemeinsam mit den Kindern. Die gesamte Ausbildung für alle Instrumente lag in den Händen von Herrn Lenneps. Heute einfach unvorstellbar.

Mit diesem und den folgenden Jugendorchestern wurde das Rückgrat des heutigen Blasorchesters gelegt. Wenn es auch immer mal wieder, wie in anderen Vereinen leider ebenfalls üblich, Austritte gab, sind doch die „Übriggebliebenen“ aus den Jugendorchestern das Stammorchester von heute. So ist in unserem heutigen Orchester nur noch ein Spieler aus dem Gründungsjahr 1971 aktiv. Aus dem 1. Jugendorchester sind noch fünf Musiker dabei, aus dem 2. Jugendorchester zwei und aus dem 3. Jugendorchester sechs Spieler.

Zu erwähnen ist, dass im Jubiläumsjahr 2011 insgesamt 12 Mitglieder des aktuellen Vororchesters ins „Große“ Orchester übernommen wurden. Und auch weiterhin werden nach und nach Jugendliche aus dem Vororchester in unser Blasorchester integriert werden, sodass wir uns um die Zukunft unseres Orchesters keine Sorgen machen müssen.

Heute zählt das Blasorchester Wesel-Bislich e.V. fast 50 aktive Mitglieder im Blasorchester sowie 20 Kinder und Jugendliche im Vororchester und weitere 25 Kinder in der Ausbildung bzw. in unseren Blockflötengruppen.

4. Wir machen Musik...

Wer Musik macht, tut dies ja nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern zeigt auch gerne, was er gelernt hat. Zudem ist ein Auftritt, ganz besonders ein Konzert, immer eine gute Gelegenheit, um für sich zu werben

Drei Jahre nach der Gründung, am 3. November 1974, wurde im Saal Pooth das erste Konzert gegeben. Beliebte Melodien und Märsche, die das Orchester auch anschließend in sein Stammrepertoire aufnahm, wurden dort zum ersten Mal vor großem Publikum aufgeführt.

Zwei Jahre später, am 17. Oktober 1976, erfreute das Blasorchester vor ausverkauftem Saal sein Publikum mit einer „bunten Palette bekannter Melodien“, wie das damalige Programm-Motto lautete.

Danach machte sich das Orchester in Sachen Konzerte rar. Zu viele Auftritte in Bislich und Umgebung verhinderten, dass ein qualitativ ansprechendes Konzertprogramm einstudiert werden konnte.

Erst 1982 spielte das Blasorchester dann wieder im Saal Pooth zum Konzert auf. Zum 50-jährigen Dirigentenjubiläum unseres musikalischen Leiters, Theo Lenneps, und anlässlich des 10jährigen Bestehens des Blasorchesters wurde wieder ein Konzert aufgeführt. Gemeinsam mit dem Kirchenchor „St. Johannes Bislich“ konnte sich das Publikum an vielen beliebten Melodien erfreuen.

Gerne erinnern wir uns auch an das Konzert im Jahr 1986 anlässlich unseres 15-jährigen Bestehens. Wir hatten zu diesem Konzert das Klarinettenquartett der Musikschule Bocholt–Isselburg–Rhede eingeladen, welches uns glänzend unterstützte und wesentlich zum Gelingen des Konzertes beitrug.

Fünf Jahre später, 1991, fand aus Anlass unseres 20-jährigen Bestehens das nächste Konzert statt. Das Blasorchester spielte unter der Leitung von Klaus Tröger, das Jugendorchester wurde von Bodo Biermann, dem heutigen Leiter der Musikschule Bocholt-Isselburg-Rhede, dirigiert. Nach dem Konzert am Samstagabend gab es am Sonntagmorgen einen Empfang für geladene Gäste und Vereine mit einem Frühschoppenkonzert der „Lustigen Egerländer“ aus Rhede.

Seit mehr als 20 Jahren bieten wir in jedem Frühjahr ein Konzert an. Im Jahr 1994 spielten wir unser erstes Konzert unter dem Dirigat von Jürgen Ueffing, der seit September 1993 bis heute unser Dirigent ist. Auch dieses Konzert fand im Saal Pooth statt.

Zum 25-jährigen Jubiläumskonzert im Jahre 1996 spielten wir erstmals Stücke der holländischen Komponisten Jan van der Roost und Kees Vlak, zwei zeitgenössische holländische Musiker, deren Arrangements wir seither immer wieder gerne ins Programm aufnehmen.

Im Jahr 1997 verlegten wir erstmals unser Jahreskonzert in das Bühnenhaus Wesel. Zum einen reichte der Platz für unser Orchester auf der Bühne bei Pooth nicht mehr aus (allein das komplette Percussion-Ensemble inklusive Schlagzeug und Pauken benötigte fast die Hälfte der Bühne), zum anderen besitzt das Bühnenhaus eine Akustik, die optimal auf Konzerte abgestimmt ist. Und drittens konnten auch mehr Zuhörer einen Platz finden – sicherlich ein nicht unwesentlicher Aspekt bei unserer Entscheidung, die Jahreskonzerte jetzt immer in Wesel durchzuführen. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass die Stadt Wesel uns hinsichtlich der Benutzung des Bühnenhauses in jeder Weise unterstützt, wofür wir uns ganz herzlich bedanken.

Zum 30-jährigen Bestehen im Jahr 2001 veranstaltetet wir neben dem Jubiläumskonzert im Bühnenhaus auch ein Weihnachtskonzert zusammen mit dem Bislicher Kirchenchor in der St. Johannes Kirche Bislich. Außerdem gab es eine Ausstellung im Heimatmuseum Bislich über die Geschichte des Blasorchesters. Hier wurden den Besuchern alte Instrumente und eine der ersten Uniformen, sowie Noten, Fotos und Zeitungsberichte präsentiert.

Seit 2001 bereiten wir uns jedes Jahr vor unserem Jahreskonzert in einem intensiven Probenwochenende von freitags bis sonntags musikalisch auf das Programm des Konzerts vor. Die Probenwochenenden fanden mehrere Jahre in Lingen an der Ems statt und werden seit einigen Jahren in den Räumen der Grundschule bzw. Alten Schule in Bislich durchgeführt.

2006, im Jahr unseres 35-jährigen Bestehens, konnten wir das Programm unseres Jahreskonzerts gleich zweimal präsentieren, zum einen im März beim gewohnten Konzert im Bühnenhaus und Anfang April bei einem Wohltätigkeitskonzert zugunsten der historischen Weseler Rathausfassade in der Niederrheinhalle in Wesel. Außerdem spielten wir zusammen mit unseren Freunden vom Büdericher Tambourkorps im Oktober ein Gemeinschaftskonzert vor vollen Rängen im Weseler Bühnenhaus.

Drei Konzerte der besonderen Art durften wir im Jahr 2010 anlässlich des europäischen Kulturhauptstadtjahres „Ruhr 2010“ mitgestalten. Bei den großen Konzerten im Grugapark in Essen, am Centro in Oberhausen und am Berliner Tor in Wesel spielten wir allein und gemeinsam mit über 200 Musikern von Spielmannszügen und Blasorchestern aus Essen, Oberhausen, Büderich und Nischni Nowgorod, der russischen Partnerstadt Essens. Aus diesen unvergesslichen Konzerten und vor allem aus dem Zusammenspiel aller Musiker ist ein herzlicher Kontakt entstanden, der unter anderem bei unserer Jubiläumsveranstaltung im Mai 2011 seine Fortsetzung finden wird.

Dass wir neben den Konzerten auch die „normalen“ Auftritte weiterhin wahrnahmen und -nehmen, ist selbstverständlich. Wie bereits oben erwähnt, war unser erster Auftritt am Totensonntag in Bislich am Ehrenmal. Die musikalische Unterstützung des Gedenktages ist uns seit vierzig Jahren eine Verpflichtung und ein Anliegen, ebenso wie das Mitwirken am Volkstrauertag in Diersfordt. Dass wir seit 1973 zu Ostern und Kirmes in der katholischen Kirche Bislich in der Messe mitwirken können und die Fronleichnamsprozession unterstützen, ist unserem ehemaligen Dirigenten Theo Lenneps zu verdanken, der die meisten benötigten Choräle für unser Blasorchester selbst arrangiert und aufgeschrieben hat.

Von 1975 bis 2010 gehörte das Rastenburger Treffen in der Niederrheinhalle Wesel zu unserem festen Jahresprogramm. Das Schützenfest in Bislich unterstützen wir seit über 35 Jahren durch unser Mitwirken bei den Umzügen, der Inthronisation und dem Zapfenstreich.

1980 nahmen wir erstmals am Schützenfest in Haffen teil und seit 1988 unterstützen wir das Schützenfest in Mehr musikalisch. Seit 2000 spielen wir im Wechsel mit den NiederRhein Musikanten beim Schützenfest in Duisburg Alt-Walsum und seit 2001 wirken wir beim Schützenfest in Flüren mit. Im Jahr 2005 nahmen wir zum ersten Mal beim alle drei Jahre stattfindenden Schützenfest der St. Sebastianus Schützen Büderich teil. Dass bei diesen Auftritten auch das Vergnügen und die Kameradschaft nicht zu kurz kommen, versteht sich von selbst.

5. ...und der Spaß... - kommt auch nicht zu kurz

Natürlich kommen wir nicht nur zusammen, um Musik zu machen. Von Anfang an gehörten gemeinsame Feiern und Ausflüge zu unserem Vereinsleben. Zu diesen Anlässen kommen die Partner und Kinder der Vereinsmitglieder selbstverständlich dazu. Gerade die Angehörigen verzichten ja doch recht häufig auf ihre Musikanten in der Familie. Ob es nun eine Fahrradrallye oder ein Busausflug, ein gemeinsam besuchtes Konzert oder ein Scheunenfest ist, Spaß ist immer dabei.

Eine ganz besondere Tour war unsere Fahrt vom 1. bis 3. April 1995 nach Oberwinden im Schwarzwald. Dort veranstalteten wir mit unseren Kollegen des dortigen Blasorchesters ein gemeinsames Konzert in der Bürgerhalle. Anschließend folgte beim gemütlichen Teil ein feuchtfröhlicher Abend, der erst in den frühen Morgenstunden endete. Tags drauf machten wir einen Ausflug in das benachbarte Glottertal und besuchten dort nach einer kleinen Wanderung – nein, nicht die Schwarzwaldklinik – sondern die kleinste Winzergenossenschaft Deutschlands, inklusive einer kleinen Weinprobe.

Anlässlich unseres 25-jährigen Bestehens fand dann der Gegenbesuch unserer Oberwindener Kollegen vom 13. bis 15. September 1996 statt. Nach einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm gaben wir am 14. September ein gemeinsames Konzert in der Haffener Schützenhalle. Beim anschließenden gemütlichen Teil haben wir sowohl mit unseren Konzertbesuchern, als auch mit unseren Schwarzwälder Gästen kräftig gefeiert.

Im Jahr unseres 40-jährigen Bestehens 2011 haben wir wieder eine Orchesterfahrt unternommen. Am Himmelfahrtswochenende vom 01.-05.06.2011 fuhren wir mit dem Bus nach Werder an der Havel in Brandenburg. Der Kontakt zur Kleinstadt Werder ist durch den dort lebenden Cousin unseres Dirigenten entstanden. Von Werder aus sind es nur etwa 10 km bis Potsdam und rund 40 km bis Berlin, sodass Besuche in diesen beiden Städten neben einem Konzert in der Region auf unserem Programm standen. In Potsdam waren vor allem das Schloss und der Park Sanssouci ein Höhepunkt im Ausflugsprogramm. Auch dem Deutschen Bundestag und dem Brandenburger Tor in Berlin haben wir einen Besuch abgestattet.

6. Ein eigenes Zuhause fürs Orchester

Ein großer Traum des Bislicher Blasorchesters war schon lange ein eigener Proberaum.

Nach vielen Überlegungen und Versuchen bot sich im Jahr 2007 mit den Plänen der Stadt Wesel zur weiteren Nutzung der bisherigen Räume für Asylbewerber in der Alten Schule in Bislich durch Vereine eine passende Gelegenheit, endlich unseren Traum in Erfüllung gehen zu lassen.

Nach umfangreichen Planungen und Gesprächen mit dem Eigentümer, der Stadt Wesel, konnten wir uns Mitte 2008 einigen, sodass bereits im September 2008 mit dem Umbau der Räume begonnen werden konnte. Dank eines Glücksgriffs, nämlich unseren Bassposaunisten Herbert Ticheloven zum Bauleiter zu machen, gingen die Umbauarbeiten zügig voran und wir konnten bereits am 22.12.2008 die erste Probe in unseren neuen Proberäumen abhalten.

Durch die Eigenleistung der Vereinsmitglieder und dank großzügiger Spenden von Bislicher Firmen und Banken konnte dieses große Projekt durchgeführt werden, ohne dass sich das Orchester finanziell zu stark belasten musste.

Nach und nach füllten sich unsere Räume mit Leben und stehen heute für die Proben des Blasorchesters und des Vororchesters sowie für den Einzelunterricht und die Blockflötengruppen zur Verfügung. In unserem „Besprechungsraum“ finden neben den Vorstandssitzungen auch gemütliche Ausklänge nach den Proben statt, die die Kameradschaft unter den Mitgliedern des Blasorchesters immer weiter wachsen lassen.

7. Die Leitung des Vereins

Wenn man über die Leitung eines Musikvereins resümieren möchte, muss man sich im Klaren sein, dass es zum einen die musikalische Leitung durch den Dirigenten und zum anderen die geschäftsführende Leitung durch die gewählten Vorstandsmitglieder gibt. In unserer vierzigjährigen Vereinsgeschichte waren und sind beide Seiten geprägt von Beständigkeit und großem persönlichen Einsatz.

Im Jahre 1985 verstarb der erste Vorsitzende unseres Blasorchesters Emil Paluch. Seit der Gründung unseres Vereins leitete er diesen bis zuletzt mit großem Engagement. Seine Nachfolge trat Heinz Overkamp an, der seither mehr als 30 Jahre die Geschicke unseres Vereins lenkt. Auch der Posten des Schriftführers hat bisher nur drei Wechsel erfahren, nach Bernhard Michelbrink übernahm Gabriele Hollmann, ebenfalls im Jahr 1985, diese Aufgabe. Von 2007 bis 2011 war Andreas Michelbrink, der seit 2011 die Aufgaben des Geschäftsführers warnimmt, unser Schriftführer, abgelöst wurde er von Sabrina Kock. Über zwanzig Jahre lang war Franz Hollmann Kassierer des Blasorchesters. Nach seinem Tod nahm von 1996 bis 2008 Thomas Sapatka dieses Amt war, ihm folgte Thomas Michelbrink als Kassierer des Orchesters.

Die musikalische Leitung lag über fünfzehn Jahre lang in den Händen von Herrn Theo Lenneps. Seinen Einsatz für das Orchester kann man nicht genug würdigen. In nüchternen Zahlen betrachtet, hat er in unserem Orchester über 100 Musiker ausgebildet - was darüber hinaus an persönlichem Einsatz bei Probenstunden und Auftritten von ihm geleistet wurde, lässt sich kaum nachvollziehen. Fünfzehn Jahre lang wöchentliche Proben, nicht nur mit dem Blasorchester, sondern auch mit dem jeweiligen Jugendorchester, dazu die Auftritte mit den Orchestern und die Verwaltung der Noten, wie viel Stunden mögen das ergeben? Das alles neben seinem Beruf als Musiklehrer an der Realschule Rees, als Organist an der St.-Johannes-Kirche Bislich und Chorleiter des Kirchenchores Bislich und neben sei-nem Engagement bei anderen Musikvereinen wie z. B. dem Männerchor Bislich – wahrlich ein Leben für die Musik!

Im Jahre 1986 führte seine Krankheit dazu, dass das Orchester erstmals für einige Monate einen anderen Dirigenten bekam. Der Brüner Musiker, Trompeter von Ernst Mosch und Gründer der „Young People“ Big-Band Herbert Glowotz hatte sich freundlicherweise für vier Monate zur Verfügung gestellt, die Vertretung von Herrn Lenneps zu übernehmen. Für viele Mitglieder des Vereins war es eine interessante Erfahrung, einmal unter einem anderen Dirigenten zu musizieren. Nach der Genesung von Herrn Lenneps, der sich dann „nur“ noch dem Blasorchester widmete, blieb Herr Glowotz der Ausbilder und Dirigent des Jugendblasorchesters.

Nachdem Herr Lenneps im Jahr 1989 im Alter von 77 Jahren seinen Rücktritt erklärte, folgte ein turbulentes Jahr. Der zwischenzeitlich engagierte Dirigent Wolfgang Smith von der Musikschule Wesel wurde – übergangsweise – im März 1990 von Herrn Janas von der Musikschule Kleve abgelöst. Auch Herr Lenneps musste bei manchen Auftritten als Dirigent einspringen.

Im Jahr 1990 konnten wir dann, dank der guten Kontakte unseres 1. Vorsitzenden zur Musikschule Isselburg, Herrn Klaus Tröger aus Kleve als neuen Dirigenten begrüßen. In ihm hatten wir den gewünschten Könner und Idealisten gefunden, den unser Orchester suchte. In den drei Jahren, in denen er unser Orchester leitete, ist er nicht nur als Dirigent, sondern auch als hervorragender Klarinetten-Lehrer in Erscheinung getreten. Dass er immer noch ein Freund unseres Blasorchesters ist, zeigt nicht zuletzt sein Einsatz bei unseren Probenwochenenden, bei denen er die Holzbläser unterrichtet. Wir sind ihm für die Zeit, die er mit uns verbracht hat, sehr dankbar und freuen uns immer wieder, wenn er uns besucht.

Seit September 1993 leitet Herr Jürgen Ueffing aus Isselburg unser Orchester.

Mit ihm erfolgte ein musikalischer „Strukturwandel“. Bis zu seinem Amtsantritt spielten wir überwiegend Musik aus dem volkstümlichen Bereich sowie Werke der klassischen Unterhaltungsmusik. Mit Herrn Ueffing lernten wir sinfonische Originalkompositionen für Blasmusik und die Werke moderner, zeitgenössischer Komponisten und Arrangeure kennen, ohne unser bewährtes Repertoire zu vergessen. Ihm ist es zu verdanken, dass wir in den letzten Jahren stetige Qualitätssteigerungen verzeichnen können.

Jürgen Ueffing ist hauptberuflich als Musiker beim Landespolizeiorchester NRW angestellt und findet trotzdem seit mehr 25 Jahren – also inzwischen länger als der Gründungsdirigent Theo Lenneps – die Zeit, sich intensiv um das Blasorchester und auch das Vororchester sowie die Ausbildung unseres Nachwuchses zu kümmern. Wir hoffen, dass wir mit ihm noch viele Jahre musizieren dürfen.